Freunde, der Libanon ist wunderschön.

Den heutigen Tag verbringe ich zu Hause. Es gibt Büroarbeiten, um die ich mich an meinem Laptop kümmern muss. Außerdem möchte ich mich ein wenig für das Konzert heute Abend im Kulturzentrum in Jounieh schonen.

Es bestätigt sich einmal mehr, dass auch ein Tag im Hause Adaimi ein ereignisreicher ist. Ein Bischof kommt heute zwar nicht vorbei, dafür erwartet mich nach dem Aufstehen eine Stollen-Bäckerei, zu der die Küche kurzerhand mutiert ist:

Es stellt sich heraus, dass hier schon seit Jahren traditionell zu Weihnachten deutscher Stollen gebacken wird, der dann in großem Stil verschenkt wird. Und so begibt es sich, dass ich fernab der deutschen Heimat den besten Stollen meines Lebens esse.

 

Als ich mich ins Esszimmer setze, um in Ruhe zu frühstücken, vernehme ich aus dem Wohn-/Musikzimmer Geigenmusik. Lotti übt für das bevorstehende Konzert ihres Barock-Ensembles. Aus der Küche vernehme ich zeitgleich "All I Wanna Do" von Heart. Die backenden Mädels singen fleißig mit.

Und so wandle ich mal wieder zwischen den Welten und genieße dabei den fantastischen Blick auf Beirut und das Mittelmeer.

 

Nach ein paar Stunden Arbeit an meinem Rechner zieht es mich nach draußen. Es ist heute sonnig. Die Laufschuhe an und los geht's. Auf dem Weg nach draußen begegne ich Lotti. Wir quatschen uns - wie so oft - fest. Diesmal geht's um deutsche Volkslieder. Lotti hat mir eine Liste von Volksliedern zusammengestellt, nachdem ich vor ein paar Tagen die Überlegung geäußert habe, mich mehr mit deutschem Liedgut auseinanderzusetzen. Wenn ich mich mit arabischen Volksliedern befassen soll, scheint mir das jedenfalls eine sinnvolle Grundlage. Die Liste von Lotti dürfte mich eine Weile lang beschäftigen. Und ihr fallen immer mehr Lieder ein, die sie mir spontan vorsingt und danach in der Liste notiert.

 

Wir werden von zwei ihrer Klavierschüler unterbrochen, die zum Unterricht vorbeikommen. Jetzt aber nach draußen. Zum Laufen komme ich in den ersten Minuten allerdings kaum. Ständig bleibe ich stehen, um zu knipsen. Ich kann gar nicht genug bekommen von der wunderschönen Aussicht. Wirklich atemberaubend.

Ein paar Stunden später geht's zum Konzert ins Kulturzentrum in Jounieh. Ich verbringe einen wunderschönen Abend mit den Konzertbesuchern, unter denen sich auch einige Deutsche und Konzertbesucher meiner letzten Konzertreise vor zwei Jahren befinden, wie ich nach dem Konzert erfahre.

 

Ich erzähle den Konzertbesuchern von meiner spontanen Aktion am Nachmittag, über Facebook symbolisch alle meine Freunde aus der ganzen Welt zum Konzert eingeladen zu haben und schlage ihnen vor, sich vorzustellen, dass die verbleibenden leeren Plätze in der Aula in Wahrheit von all den Freunden besetzt seien, die zu meinem Erstaunen auf ebenso symbolische Art und Weise ihre Teilnahme am Konzert zugesagt haben. Diese Idee quittiert das Publikum mit Applaus. Ich liebe es, das Brückenbauen.

 

Das Feedback und die Wertschätzung der Leute nach dem Konzert überwältigen mich förmlich. Eine Konzertbesucherin sagt zu mir, das Konzert sei für sie wie ein langer, schöner Traum gewesen. Ähnlich empfinde auch ich es, und bei dieser Aussage belasse ich es an dieser Stelle.

 

Ein Versprechen habe ich jedoch einzulösen, das ich einer Konzertbesucherin nach dem Konzert gebe: Meinen Fans und Freunden in Deutschland davon zu berichten, wie wunderschön der Libanon ist. Sie wiederholt ihre Bitte mehrfach und dankt mir innig dafür, dass ich gekommen bin. Das, genau das sei der Grund, warum ich gekommen bin, versichere ich ihr, während ich ihre CD signiere.

 

Es geht hier nicht um Patriotismus, sondern darum, ihr und anderen Libanesen Mut zu machen; ihnen Wertschätzung für ihr Land entgegenzubringen; meinetwegen auch Würde zurückzugeben, wenn das nicht zu vermessen klingt. Nach so vielen Jahren der Instabilität hat das Land einen Knacks, der mir in Situationen wie diesen besonders deutlich wird. Mehr sage ich zum Thema Politik heute nicht. Heute darf es mal einfach nur um Musik gehen.

 

Nun zu meinem Versprechen:


Freunde, der Libanon ist wirklich ein wunderschönes Land, und man tut ihm unrecht, wenn man ihn auf seine religiösen und politischen Spannungen reduziert. Die letzten Tage hier, die Begegnungen, die Menschen,...ich hab hier eine wunderbare Zeit!

 

Aber keine Sorge, ich komme zurück. Und mit ein bisschen Glück bringe ich sogar was von dem Stollen mit...!

Ein Post auf Facebook eines hinzugewonnen libanesischen Freundes.
Ein Post auf Facebook eines hinzugewonnen libanesischen Freundes.
Lotti beim Üben von Barock-Musik, während in der Küche gerockt wird.
Lotti beim Üben von Barock-Musik, während in der Küche gerockt wird.
Lotti erstellt mir eine Liste deutscher Volkslieder.
Lotti erstellt mir eine Liste deutscher Volkslieder.
Und die Liste wird immer länger.
Und die Liste wird immer länger.
Joggen wird bei diesem wunderschönen Ausblick zur Nebensache.
Joggen wird bei diesem wunderschönen Ausblick zur Nebensache.
Religion ist hier überall präsent.
Religion ist hier überall präsent.
Mit Techniker Charbel.
Mit Techniker Charbel.
Backstage vor dem Gig.
Backstage vor dem Gig.
Mächtig Spaß auf der Bühne.
Mächtig Spaß auf der Bühne.
Sogar eine Duisburgerin ist unter den Gästen...
Sogar eine Duisburgerin ist unter den Gästen...
...und eine deutsche Familie, die seit vielen Jahren im Libanon lebt.
...und eine deutsche Familie, die seit vielen Jahren im Libanon lebt.
Mit Konzertbesucher Jacques.
Mit Konzertbesucher Jacques.

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