The Wonder of You - oder: Von Wundern, Spiegeln und der Rückkehr zu sich selbst.

Ein Liebesbriefkasten auf der Mülheimer Straße in Duisburg.
Ein Liebesbriefkasten auf der Mülheimer Straße in Duisburg.

Neulich laufe ich an diesem Briefkasten hier nahe meiner Wohnung vorbei. "Die Botschaft entsteht beim Empfänger" - so lautet ein Spruch, den ich mal aufgeschnappt habe (kann sein, dass ich ihn sogar von meiner Großtante habe...) und der mir in diesem Moment in den Sinn kommt.  "Hm, wenn eine Sache mit so viel Liebe abgeschickt wird wie an diesem Briefkasten, steigert das mit Sicherheit die Wahrscheinlichkeit, dass die Botschaft entsprechend liebevoll aufgenommen wird.", denke ich mir schmunzelnd im Vorbeigehen.

 

Das mit den Botschaften ist so eine Sache. Manchmal sage ich flapsig (und doch überzeugt), dass das Leben seine ganz eigene Art hat, uns zu antworten, wenn wir ihm Fragen stellen oder in irgendeine Form von Dialog mit ihm treten. Und ganz ehrlich, so wirklich neu ist diese Erkenntnis ja auch nicht. Das mit dem Rede-und-Antwort-Spiel bzw. dem Spiegel kennt man. Wenn man es auch nicht immer wahrhaben möchte - irgendwie begegnen wir bei allem und in jedem auf die eine oder andere Weise doch immer wieder uns selbst. Selbst Michael Jackson wusste das und sang vom "Man in the Mirror" (übrigens einer meiner all time favorites), mit dem alles anfängt. Oder nehmen wir den schönen Spruch "It takes one to know one", den ich in den USA kennen gelernt habe und seitdem immer wieder als Wahrheit in meinem Leben bestätigt finde. Und dann gibt es da noch das wunderschöne Zitat von Friedrich Schiller, das auf dem Duisburger Theater - auf dem Frontgiebel, um genau zu sein - geschrieben steht:

Als ich während meines Libanon-Aufenthalts im Dezember bloggte, musste ich immer wieder staunen, wie vielen spannenden und wunderbaren Menschen ich während meiner Reise begegnete. Meine Libanon-Reise war außerordentlich, keine Frage. Was mir nach meiner Rückkehr nach Deutschland aber dämmerte, war, dass einer der Gründe, warum ich den Libanon als solch wunderbare Erfahrung wahrgenommen hatte, eben der war, dass ich im sog. "Libanon-Modus", wie ich ihn heute nenne, unterwegs war. Will heißen: Ich war besonders offen und aufmerksam in meinen Beobachtungen, war besonders interessiert bei den Begegnungen mit anderen Menschen. Immerhin bloggte ich ja auch allabendlich über meine Erlebnisse.

 

Kaum in Deutschland zurück, ließ ich mich auf ein kleines Experiment mit mir selbst ein: Würde es mir gelingen, den "Libanon-Modus" hier in Deutschland fortzusetzen? Und was würde das bewirken? Nicht, dass ich vorhatte, jeden Abend über meine Deutschland-Abenteuer zu bloggen; aber was, wenn es mir gelingen würde, ähnlich wach und interessiert durch die Welt zu gehen, anstatt hier in meinen gewohnten Trott zurückzukehren? Alltag und Routine in allen Ehren, aber es ist eben nur ein schmaler Grat, der das Schlummern vom Wachsein trennt. Also, aufwachen bzw. wachbleiben!

 

Gesagt, getan. Oh Wunder, zu welchem Zwischenergebnis ich mit meinem Experiment heute komme! Während ich früher oft geschimpft habe, dass die Zeit so schnell vergeht, habe ich jetzt das Gefühl, dass in eben dieser Zeit unfassbar viel passiert. Ob sie dadurch schnell oder langsam vergeht, spielt dabei überhaupt keine Rolle (mehr). Entscheidend ist, dass ich das Gefühl habe, wacher durch die Welt zu gehen als noch vor geraumer Zeit. Und daran gekoppelt ist ganz schön viel Lebensfreude - Lebensfreude, die ich in manchen Phasen meines Lebens in der Vergangenheit schmerzlich vermisst habe.

 

Plötzlich, so scheint es mir, ist die Arbeit leichter, sind die Menschen netter, ist das Leben schöner,...

Diese Karte hier bekam ich in der vergangenen Woche geschenkt. Keine Frage, die wunderbaren Freunde, von denen ich die Karte erhielt, erkennen in mir auch sich selbst, denn auch ich nehme sie als Menschen wahr, die die Welt "einfach schöner" machen. Man beachte das Wort "einfach", das auf dieser Karte gleich zweimal genannt ist.

 

Es ist wohl einfach so: Wir begegnen durch das Leben uns selbst.

 

Was hat sich durch mein Experiment also verändert? Ich habe mich verändert. Oder sagen wir: meine Art, die Dinge zu betrachten.

 

Neulich sprach jemand in meiner Gegenwart von Weitblick. Ja, den Blick weiten ist gut. Sehr gut sogar. Das führt meiner Auffassung nach unweigerlich dazu, dass wir auch unser Herz weiten. Was das bedeutet? Bedingungslosigkeit. Geduld. Toleranz. Akzeptanz. Loslassen.

 

Also, Weitblick und Weitherz.

 

In der Praxis heißt das: Anstatt mich über das Leben zu wundern (oder gar zu ärgern), nehme ich es als Wunder wahr und an - mich selbst und die Menschen, die mir begegnen, inbegriffen. Ich begreife es als Chance, mehr über mich selbst zu erfahren und schlussendlich über mich selbst hinauszuwachsen.

 

Fast wie ein Vorbote der Erkenntnis erscheint mir da der Song, den ich 2010 geschrieben und im Libanon im vergangenen Dezember das erste Mal in der Öffentlichkeit aufgeführt habe. Seinerzeit inspiriert durch einen Text von einem von mir sehr geschätzten Buchautoren (mehr dazu gerne auf Anfrage), handelt "The Wonder of You" von Freiheit. Von dem Wunder, das jeder von uns einfach ist.

 

Vor allem aber ist es eines: ein Liebeslied an jeden, der es hört.

 

A letter like no other in the mail

Telling you you're loved, you're oh so loved

Can you, will you, do you recognize all the blessings?

So many blessings

 

Who could be more wonderful than you

All you have to do

Is to see

 

If you wonder who you are

And you wonder why you're here

Let me tell you you're Soul

And you're free

Love is here to be given

And be received

Through the wonder of you

Through the wonder of me

 

You live in a garden, just look around

Handmade in heaven, cared for here on earth

Now set your sights high, set them very high

And count your blessings

So many blessings

 

Put away your worries, doubts, and fears

Now that you are here

Just be

 

If you wonder who you are

And you wonder why you're here

Let me tell you you're Soul

And you're free

Love is here to be given

And be received

Through the wonder of you

Through the wonder of me

 

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