Mut - oder: Für was und zu wem stehe ich?

Ich habe in den letzten Wochen so einige Erkenntnisse zum Thema "Mut" gesammelt. Angefangen hat alles mit einem Video (siehe unten), das ich Anfang des Jahres zu eben diesem Thema gemacht und vor ein paar Wochen im Internet veröffentlicht habe. Naja, eigentlich reicht das Ganze noch weiter zurück, wie ihr hier nachlesen könnt.

 

Ob es mutig ist, ein solches Video unter Beteiligung von insgesamt 30 Akteuren ("Mutwirkenden", wie ich sie liebevoll nenne) an den Start zu bringen - darüber habe ich wie so oft, wenn ich Dinge anpacke, nicht nachgedacht. Naja, nachgedacht schon. Aber ich habe Zweifeln & Co. keinen Raum gegeben. Ich folge gerne meinem Herzen, meinem Bauchgefühl oder wie auch immer man das nennen mag, und stelle fest, dass wenn ich das tue, Angst und viele andere Dinge, die mich unnötig aufhalten könnten, in den Hintergrund rücken. Das ist für mein Empfinden auch gut so, denn nur so lassen sich auch großartige Dinge verwirklichen. Und wenn ich "großartige Dinge" schreibe, dann meine ich damit vor allem Dinge, durch die man über sich selbst hinauswächst und zu einem noch glücklicheren Menschen wird.

 

Im Zusammenhang mit dem Mut-Video habe ich eine weitere Facette von Mut in meinem Leben entdecken dürfen. Den Mut zu haben, eine Sache zu tun, weil man sie für die Richtige hält, ist das eine. Dann aber auch zu ihr zu stehen, und zwar uneingeschränkt, das andere. Anders formuliert: Wie gehe ich nicht nur mit Lob, sondern eben auch mit Kritik um, die mein Schaffen hervorrufen?

Licht und Schatten gehören zusammen. Und das ist ok.
Licht und Schatten gehören zusammen. Und das ist ok.

Es heißt so schön: Wo viel Licht ist, ist viel Schatten. Im Bezug auf meinen Beruf heißt das: Je mehr Menschen ich mit dem, was ich tue, erreiche, umso mehr Resonanz rufe ich damit hervor. Das ist eine ganz klare Kiste, die mir schon seit geraumer Zeit bekannt ist, vor der ich aber immer mal wieder Angst hatte oder auch immer noch habe. Ist ja auch menschlich. Die Angelegenheit mit dem Mut-Video hat mir das noch einmal auf ganz neue Weise vor Augen geführt. Hier sprach mich eine Verkäuferin im Supermarkt darauf an, dass sie das Video für einen echten "Lichtblick für Duisburg" hielt, dort äußerte man sich eher skeptisch. Wobei ich an dieser Stelle fairerweise sagen muss, dass die positive Resonanz deutlich überwog.

DUCK-en oder stehen, das ist die Frage? Das eine muss nicht immer das andere ausschließen.
DUCK-en oder stehen, das ist die Frage? Das eine muss nicht immer das andere ausschließen.

Wie also mit Resonanz umgehen? Ducken? Stehen (bleiben)?

 

Und hier wird's ziemlich interessant, finde ich. In Bezug auf Politiker wird heute oft moniert, dass es Persönlichkeiten wie einst - jene mit Profil, Ecken und Kanten, die noch für etwas standen - heute so nicht mehr gibt. In Zeiten von Internet, sog. "Shitstorms" & Co. verstehe ich jeden, der auf Nummer Sicher geht und sich lieber bedeckt hält. Und doch ist das Internet letztlich nur ein Abbild des echten Lebens, und ob ich nun auf Facebook unterwegs bin oder eben da draußen im echten Leben, ich werde immer wieder an Punkte gelangen, an denen es Farbe zu bekennen gilt - oder eben auch nicht. Mit Farbe bekennen meine ich, sich eine Meinung zu bilden und dazu auch zu stehen, wenn es angemessen oder gar erforderlich ist. Den Umgang damit muss in einer stillen und ehrlichen Minute jeder für sich selbst klären und entscheiden.

Farbe bekennt auch der "Life Saver"-Brunnen im Herzen Duisburgs. Interessanter Name in diesem Zusammenhang. So umstritten er auch sein mag - er ist ein Hingucker und macht Freude; so auch meinen amerikanischen Freunden, die unlängst zu Besuch waren.
Farbe bekennt auch der "Life Saver"-Brunnen im Herzen Duisburgs. Interessanter Name in diesem Zusammenhang. So umstritten er auch sein mag - er ist ein Hingucker und macht Freude; so auch meinen amerikanischen Freunden, die unlängst zu Besuch waren.

Ich habe gestaunt, als mir nach meiner Libanon-Rückkehr bewusst wurde, dass ich, ohne das zu beabsichtigen, zu einer Art Botschafterin oder Brückenbauerin zwischen zwei Ländern geworden war. Vor allem an meinem Vortrags-Konzert-Abend Anfang Februar bekam ich das zu spüren. Diese Verantwortung (immerhin hatte ich es hier nicht nur mit Kultur, sondern eben auch mit Politik und Religion zu tun), aber auch die damit verbundene "Angreifbarkeit" lösten in mir Unbehagen aus. Darüber schrieb ich damals auch in meinem Blog. Die Resonanz zu dem Abend, auch in der Presse, darf man wohl als großen Erfolg bezeichnen. Für mich bestand der eigentliche Erfolg aber darin, dass ich seinerzeit für mich entschied, wirklich "mein Ding" zu machen und mich von nun an nicht mehr von der Frage leiten zu lassen, "ob man das denn machen kann", sondern eben von Fragen wie:

 

Was halte ich für das Richtige?

Welche Botschaften verschicke ich, um jetzt mal bei dem Bild mit der Botschafterin zu bleiben?

Blickt man nach unten oder lässt sich gar runterziehen oder blickt man nach oben, um beispielsweise den Mond am Innenhafen zu genießen...
Blickt man nach unten oder lässt sich gar runterziehen oder blickt man nach oben, um beispielsweise den Mond am Innenhafen zu genießen...

Für was und zu wem stehe ich?

 

Das Ding mit Mut ist, dass mutige Entscheidungen einem vor Augen führen, dass man möglicherweise alleine dasteht. Und zugegebenermaßen ist manch mutige Entscheidung tatsächlich auch eine einsame.

 

Das sind die Momente, in denen es umso wichtiger ist, zu sich zu stehen. Sobald man das tut, ist man nicht mehr einsam, sondern allenfalls allein. Die Wahrheit ist auch, dass das nur vorübergehend so ist, und dass sowohl Lob, als auch Kritik dabei zur Nebensache werden. Meine bisherige Lebenserfahrung zeigt mir, dass die besonders mutigen bzw. einsamen Entscheidungen oft, wenn nicht sogar immer, die sind, die mir auf längere Sicht Erfolg aber eben auch die Menschen bringen, von denen ich mich gerne umgebe; Menschen, mit oder zu denen ich stehe und die mit und zu mir stehen.

...oder gar nach den Sternen zu greifen? Muss ja nicht gleich im Casino sein.
...oder gar nach den Sternen zu greifen? Muss ja nicht gleich im Casino sein.

Freunde. Wegbegleiter. Spielgefährten. Kameraden. Partner.

 

Mut geht also auch immer Hand in Hand mit Weitblick - sich nicht von dem möglicherweise emotionalen Augenblick und den kurzfristigen Konsequenzen beirren lassen, sondern das längerfristige Potential sehen.

 

Bei Entscheidungen greife ich zu einer ganz einfachen, aber sehr wirkungsvollen imaginativen Technik, um Klar- und Weitblick zu erlangen: Ich frage mich in der jeweiligen Situation, was ich in hohem Alter wohl von welcher Entscheidung halten werde. Das hilft mir immens dabei, die für mich richtige Entscheidung zu treffen, denn ich möchte lieber auf ein Leben zurückblicken, in dem ich manch Fehler begangen und dazugelernt habe, als wehmütig ein Leben zu bedauern, in dem ich vieles unversucht gelassen habe.

Wenn es um Mut geht, sollte man im Zweifelsfalle wohl nicht einen Gang runter, sondern eben hoch schalten...
Wenn es um Mut geht, sollte man im Zweifelsfalle wohl nicht einen Gang runter, sondern eben hoch schalten...

Wenn ich hier also von "Stehen" anstatt "Ducken" schreibe, dann meine ich damit, mit erhobenem Haupt aus Fehlern zu lernen, anstatt sich zu ducken. Und mit "erhobenem Haupt" wiederum meine ich vor allem die Erkenntnis, dass wir Menschen hier in diesem Leben und auf dieser Erde nun mal viel lernen dürfen. Ähnlich wie wir seinerzeit in der Schule das Lesen und Schreiben von Null auf gelernt haben und uns nicht verrückt gemacht haben, weil wir es vorher noch nicht konnten, dürfen wir auch im heutigen Leben als Erwachsene und in anderen Zusammenhängen von Null auf Lernen.

 

Da gehören Fehler, die einem unterlaufen, ebenso dazu wie die Erfolgsmomente, in denen man realisiert, dass man einen Schritt weitergekommen ist, dass man im Cabrio des Lebens einen Gang hochgeschaltet hat.

 

...und dann Gas geben und eine Menge Spaß haben!
...und dann Gas geben und eine Menge Spaß haben!

Während es mir in diesem Blog nicht darum geht, auf die Fragen, die ich hier in den Raum stelle, vollständige Antworten zu geben, betrachte ich ihn als ErMUTigung an jeden von uns, sich nicht von Ängsten abhalten zu lassen, sondern sich von seinem Herzen leiten zu lassen.

 

Und noch viel wichtiger scheint mir: zu sich selbst zu stehen; ein authentisches, befreites Leben zu führen.

 

Und damit schließt sich der Kreis zum Mut-Video, das ich euch hiermit voller Dankbarkeit präsentiere. Mehr zu dem ganzen Projekt und allen "Mutwirkenden" gibt's übrigens hier auf www.du-mut.de.

 

Was kommt dir als erstes in den Sinn, wenn du morgens aufwachst?
 
Mit welchen Gedanken schläfst du abends ein?
 
Wünsche? Träume? Sehnsüchte?
 
Was schlummert in dir?
 
Der eine redet von Luftschlössern, der andere baut sie einfach - Stein auf Stein. Welcher von beiden bist du?
 
Glaubst du? Glaubst du an deine Fähigkeiten? Glaubst du an dich?
 
Glaubst du es, wenn man dir sagt, dass du alles im Leben erreichen kannst?
 
Ja klar, mag sein, dass man als Spinner gilt, wenn man sich auf den Weg macht, um sein Glück zu finden. Aber ganz ehrlich: Was ist die Alternative?
 
Ist es in Wahrheit nicht so, dass du nichts zu verlieren hast, dass du frei bist?
 
Überhaupt, geht es nicht sowieso immer um Liebe?
 
Wenn man einen Schritt nach dem anderen tut, kommt man schon ans Ziel.
 
Und wenn man sich die richtigen Freunde sucht, ist man nicht mal allein.
 
Und dann ist da noch die eine Sache, ohne die es nicht geht.
 
Und ob du's glaubst oder nicht: Du hast sie, wenn du nur willst.
 
M-U-T.
 
Es braucht nicht viel zum mutig sein,

leg einfach los, lass dich drauf ein.

Es braucht nicht viel zum mutig sein,

auch Riesen waren am Anfang klein.


Es braucht nicht viel zum mutig sein,

bau einfach weiter Stein auf Stein.

 

Es braucht nicht viel zum mutig sein,

denk daran: Du bist nicht allein.

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