Wenn die Dinge einem zufliegen - oder: Who Says




Zu den Hintergründen und der Entstehung von "Who Says"

Kennt ihr diesen Moment, in dem euch bewusst wird, dass es an der Zeit ist, euren Blickwinkel zu überdenken? In dem euch klar wird, dass es eure Sichtweise ist, die euch davon abhält, zufrieden oder gar glücklich zu sein? In dem euch dämmert, dass es euch eigentlich gut geht - ihr konntet oder wolltet es bislang nur einfach nicht so sehen? Die Tür der Erkenntnis öffnet sich, und es blitzt plötzlich dort ein Licht auf, wo ihr bis gerade eben noch im Dunkeln getappt seid. Puh. Es ist alles in Ordnung. In bester Ordnung sogar. Jetzt könnt ihr es sehen.

Denn wer sagt, dass die Dinge nicht in Ordnung sind, nur weil wir uns das alles ganz anders vorgestellt haben? Und wer sagt, dass es uns nicht gut geht,  nur weil es sich gerade eben nicht danach anfühlt?

Genau davon handelt "Who Says" - ein Lied, das sich vor ein paar Wochen in den Morgenstunden Bahn brach, nachdem ich mich in den vorangegangenen Monaten damit befasst hatte, meine Sichtweise auf die Dinge zu hinterfragen. Nichtzuletzt Auslandsreisen wie die in den Libanon im vergangenen Dezember hatten mir vor Augen geführt, dass all jenes, was uns tagtäglich umgibt und entsprechend prägt, nicht zwangsläufig Spiegel unserer wahren Identität ist und uns im dem fördert, was wir eigentlich sind.

Was zählt ist einzig und allein, wie wir unser Leben gestalten. Aber tun wir das auch? Tun wir das wirklich?

"Finde dein Maß", legte mir eine Bekannte vor geraumer Zeit aus heiterem Himmel in einer Email ans Herz. Wenn der Zusammenhang auch eigentlich ein anderer war, so klang diese Aufforderung doch noch lange in mir nach. Ja, was ist eigentlich mein Maß? Was sind meine Grenzen? Sind sie Leidplanken oder Leitplanken?

Die Einflüsse, die uns prägen, sind vielfältig. Oft genug nehmen wir dabei als gegeben hin, was nicht zwangsläufig gegeben ist. Das wurde mir bei meiner ersten Reise nach Afrika vor einigen Jahren bewusst.

 

Ach so, man muss gar nicht viel haben, um zufrieden oder gar glücklich zu sein?

Ach so, man muss gar nicht ungeduldig und knatschig sein, wenn die Sachen anders laufen als geplant?

Ach so, man muss gar nicht immer alles so eng sehen?

 

In Afrika mit meiner deutschen Mentalität konfrontiert, wurde mir bald klar, dass es an mir lag, "deutsch" zu sein oder eben einfach so, wie ich es wollte bzw. für richtig hielt.

Gewohnheiten, Denkweisen, Prinzipien,...was auch immer unser Innenleben und die Art und Weise, wie wir im Außen agieren, ausmacht - es ist wirklich unsere Entscheidung, wie wir auf die Dinge blicken. Wie wir dem Leben begegnen. Wie wir die Dinge bewerten oder auch einfach annehmen. Wie wir unser Leben gestalten.

Ich zum Beispiel habe über viele Jahre ziemlich stark in Schwarz und Weiß gedacht und gehandelt. Entweder,...oder.... Faszinierend daran ist aus heutiger Sicht, dass mir das nicht bewusst war. Wie auch. Es war ja so normal für mich. Ich habe nie darüber nach gedacht, ob es zwischen Schwarz und Weiß noch etwas anderes gibt. Zwischentöne. Grautöne. Farben!

Das Schöne ist, dass das Leben uns nicht vergisst und zwischendurch anklopft, wenn wir uns - oft ohne es zu merken - vor Dingen verschließen. Gelegenheiten tun sich auf.

 

Entweder wir lassen die Tür oder die Gelegenheit zu, will heißen: Wir nutzen das vorliegende unverbindliche Angebot des Lebens oder auch nicht.

 

Ich für meinen Teil sage gerne ja, wenn ich das Gefühl habe, dass sich mir eine Möglichkeit bietet, über mich hinauszuwachsen und mehr über das Leben und mich selbst zu lernen. Nennt es Mut, Neugier oder einfach die Einsicht, dass es für mich keine wirkliche Alternative dazu gibt, weil Lernen und Bewusstsein bzw. -werden für mich einfach zum Leben gehören.

Und wie heißt der Lehrmeister aller Lehrmeister, wenn es um das echte Leben geht? Die Liebe. Facettenreich ist sie. Und so gar nicht logisch oder greifbar.

Als ich im vergangenen Jahr an drei Wochenenden in Folge zu Hochzeiten eingeladen war, bei denen ich im Rahmen der jeweiligen Trauung für das frisch vermählte Paar musizierte, wurde mir klar, wie individuell das Thema Liebe tatsächlich ist. So unterschiedlich diese Hochzeiten ausfielen, so unterschiedlich waren auch die Geschichten, die das jeweilige Brautpaar zusammengeführt hatten. Und kein Brautpaar glich dem anderen.

Ehe und Partnerschaft sind zwei Ausdrucksformen von Liebe. Letztlich ist aber wohl all das, was uns Menschen verbindet, eine Facette von Liebe.

So vielfältig und individuell die Liebe daherkommt, so universell erschien mir neulich beim Joggen die Erkenntnis, dass das einzige, was uns voneinander trennt, die eigene begrenzte Sichtweise ist. Neid, Eifersucht, Enttäuschung, Verletzung, Angst,...was auch immer zwischen uns und anderen Menschen steht - all diese trennenden Elemente sind im Grunde genommen nur Ausdruck einer Begrenzung, die wir uns selbst auferlegen und für die wir uns entscheiden - oder auch nicht.

Denn wer sagt, dass die Liebe nicht einfach die Liebe sein und fliegen darf? Wer sagt, dass das Leben nicht einfach das Leben sein darf und eben nicht immer in eine bestimmte Schublade passen oder kontrollierbar sein muss?

Ungeachtet äußerer Umstände, die sich uns einfach oder auch kompliziert darstellen, ist die spannende Frage doch die: Sind wir uns der Freiheit bewusst, die Dinge so zu betrachten, wie es uns tatsächlich entspricht?

Konkretes Beispiel, was ich damit meine: Ich für meinen Teil habe den Eindruck, dass Liebe und Vertrauen Hand in Hand gehen und einander bedingen. Und doch erwische ich mich regelmäßig dabei, wie ich Menschen, die ich liebe, mit Misstrauen begegne; weil ich Angst habe, verletzt zu werden zum Beispiel. Oft genug ist diese Angst aber unbegründet. Komme ich mir dabei auf die Schliche, springe ich über meinen Schatten und entscheide mich bewusst dafür, meinem Gegenüber zu vertrauen. Dazu kann dann beispielsweise gehören, keine Erwartungen zu haben. Wohl ein Klassiker. Tja, und so gibt es unzählige Beispiele dafür, wie man sich in den kleinen und großen Situationen im Alltag für das Verbindende oder Trennende zwischen sich selbst und den anderen Menschen entscheiden kann.

Auf den Punkt gebracht könnte man demnach sagen: "Who Says"handelt  von der Entscheidung für die eigene Sichtweise. Für das Verbindende in und zwischen uns.

Da erscheint es mir aus heutiger Sicht nur konsequent, dass auch die Entstehung des Musikvideos zu "Who Says" geprägt war von den verbindenden Elementen und Momenten. Man könnte auch sagen, dass ich nach dem "Crowdfunding" und "Crodwfinding" meiner Band das "Crowdfilming" für mich entdeckt habe.

Denn  wer sagt, dass ein Musikvideo nicht mit spontaner und tatkräftiger Unterstützung guter Freunde entstehen kann, auch wenn die vorher noch nie was mit Filmen am Hut hatten?

Es gab kein Drehbuch zu "Who Says". Es gab im Grunde genommen noch nicht einmal die Idee, ein Musikvideo zu dem Song zu machen. Doch dann brachen sich in ähnlicher Weise, wie es der Song getan hatte, die filmischen Ideen Bahn - bezeichnenderweise als erstes auf der stillgelegten Landebahn des ehemaligen Flughafens Tempelhof während eines Besuchs bei meinem guten Freund Jan Philipp und dessen Freundin Franzi.

 

Eigentlich wollten wir dort ja nur Baseball spielen und gemeinsam mit meinem Bruder Knud, der zur gleichen Zeit zu Besuch war, ein wenig spontane Picknick-Musik auf dem Rasen machen. Als uns währenddessen ein Schmetterling einen Besuch abstattete und in aller Seelen Ruhe auf Händen und Saxophon verweilte, begann ich allerdings die Fährte aufzunehmen. Und nicht nur ich. Am Ende stand ein wundervoller Dreh bei Sonnenuntergang, an dessen Ende sich Jan Philipp sogar ein Skateboard auslieh, um einen Abflug zu simulieren. Ein Wunder, dass mein iPhone das überlebt hat.


Von meinem Aufenthalt in Berlin zurückgekehrt, spannte ich weitere Freunde ein. Da war mein Bekannter Klaus, der seine liebevolle Skepsis zum Ausdruck brachte, als ich ihm von meiner geplanten Schmetterlings-Installation an meinem iPad im Fahrradkorb erzählte. Kaum vom Eisessen mit ihm zurück und angespornt von seinen Bedenken, machte ich mich an die Arbeit und radelte wenige Stunden später zufrieden durch die Duisburger Nacht. Die Freude über die gelungenen Bilder teilten wir keine 24 Stunden später bei einem weiteren Eis.


Und auch der Beschluss eines Drehs am Rhein fiel bei einem Eis unter Freunden. Dass mein Kumpel Jürgen ein guter Fotograf ist, wusste ich. Dass er sich aber auch beim spontanen Papierflieger-Dreh als solch geschickter Beobachter erwies, versetzte uns beide am Ende unseres Drehs in Anbetracht der wunderschönen Bilder, die entstanden, in regelrechte Euphorie.


Und dann fanden sich auch noch bereitwillige Autofahrer wie Britta, Silke, Julia und Jens, die mich als Schmetterlings-Simulator und -Filmer auf dem Beifahrer- oder Rücksitz duldeten und gar eigens für mich bestimmte Strecken abfuhren und Zwischenstopps einlegten. Es wird gemunkelt, dass manch Fahrer dafür extra aus Frankfurt anrückte.

 

Auch die Hamburger Touristen, die  in der Straßenbahn nach Duisburg-Ruhrort Zeuge meiner Schmetterlings-Filmerei wurden, erwiesen sich als aufgeschlossene und begeisterungsfähige Mitreisende.

Während ich berufliche oder kreative Projekte in der Vergangenheit oft eher vom Kopf her geplant und gesteuert habe, gestaltete (s)ich  die Entstehung dieses Songs und Videos als eine Verknüpfung von Herzensmomenten - Momenten von Spaß, Spontaneität und Vertrauen. Vertrauen in alle Beteiligten und das Leben, dass das schon alles irgendwie passen würde. Und dann war da noch die Erkenntnis, dass es letztlich gar nicht um das Ergebnis, sondern eben den wunderschönen und aufregenden Weg dorthin ging.

Und damit schließt sich der Kreis zu jener befreienden Erkenntnis, die ich mit "Who Says" verbinde. Es geht nicht um das, was wir erreichen oder haben wollen. Es geht um das, was ist, was auch immer es ist. Wenn wir die Liebe die Liebe und das Leben das Leben sein lassen können, dann hat das nicht nur etwas Verbindendes, sondern sogar etwas Beflügelndes. Dann machen wir von der Freiheit Gebrauch, die unser aller Geburtsrecht ist, die wir im Herzen tragen und derer wir uns jederzeit bewusst sein dürfen.


Lyrics

Maybe you're impatient
And maybe you are tired
Worn out by your frustration
Disillusioned by your pride

There's always more to every story
Than what you may see at first
But there's no reason to be worried
About your hunger and your thirst
For this love, this love

Who says that love has limitations
Who says that love can't fly
Who says that love holds expectations
Who says that you're not fine

Cuz you're fine.

The thing with complications
Is that they're made up by your mind
And your fear is an indication
For a view point out of time

Here is to a happy ending
Fot his abundance you have earned
Here is to a joyful landing
After all the things you've learned
About love, about love

Who says that love has limitations
Who says that love can't fly
Who says that love holds expectations
Who says that you're not fine

Cuz you're fine.

Your commitment is your key to
Whatever you may dream
When your closest that's the moment
When most impossible things seem

But you're fine


Who says that love has limitations
Who says that love can't fly
Who says that love holds expectations
Who says that you're not fine

Cuz you're fine.

Who says that you have limitations
Who says that you can't fly

Übersetzung

Vielleicht bist du ungeduldig

Vielleicht bist du müde

Erschöpft von deinem Frust

Desillusioniert von deinem Stolz

 

Bei jeder Geschichte geht es um mehr

als es zunächst den Anschein macht

Aber es gibt keinen Grund, sich Sorgen zu machen

wegen deines Hungers und deines Dursts

nach dieser Liebe, dieser Liebe

 

Wer sagt, dass die Liebe Grenzen hat?

Wer sagt, dass die Liebe nicht fliegen kann?

Wer sagt, dass die Liebe Erwartungen stellt?

Wer sagt, dass du nicht ok bist?

 

Denn du bist ok.

 

Die Sache mit den Komplikationen ist die:

Sie entstehen in deinem Kopf

Und deine Angst ist ein Anzeichen

für eine überholte Sichtweise

 

Auf ein glückliches Ende

Denn diese Fülle hast du dir verdient

Auf eine freudige Landung

nach allem, was du gelernt hast

über die Liebe, über die Liebe

 

Wer sagt, dass die Liebe Grenzen hat?

Wer sagt, dass die Liebe nicht fliegen kann?

Wer sagt, dass die Liebe Erwartungen stellt?

Wer sagt, dass du nicht ok bist?

 

Denn du bist ok.

 

Deine Entschlossenheit ist der Schlüssel

zu all deinen Träumen

Wenn du am nahesten dran bist, ist das der Moment

in dem die Dinge am unmöglichsten erscheinen

 

Aber du bist ok.

 

Wer sagt, dass die Liebe Grenzen hat?

Wer sagt, dass die Liebe nicht fliegen kann?

Wer sagt, dass die Liebe Erwartungen stellt?

Wer sagt, dass du nicht ok bist?

 

Denn du bist ok.

 

Wer sagt, dass du Grenzen hast?

Und wer sagt, dass du nicht fliegen kannst?

 

Die Siegessäule in Berlin. So fühlt sich Erkenntnis an, finde ich.
Die Siegessäule in Berlin. So fühlt sich Erkenntnis an, finde ich.
Es ist alles in Ordnern, pardon: in Ordnung.
Es ist alles in Ordnern, pardon: in Ordnung.
Einfach mal aussteigen und die Dinge hinterfragen. Dafür ist der Zug nie abgefahren.
Einfach mal aussteigen und die Dinge hinterfragen. Dafür ist der Zug nie abgefahren.
Was ist mein Maß? Was will ich?
Was ist mein Maß? Was will ich?
Das echte Leben ist bunt und wild. Oder sagen wir: ganz großes Kino.
Das echte Leben ist bunt und wild. Oder sagen wir: ganz großes Kino.
Die Angebote des Lebens sind vielfältig und erwarten uns an jeder Ecke, wie hier in Berlin.
Die Angebote des Lebens sind vielfältig und erwarten uns an jeder Ecke, wie hier in Berlin.
Klar, auch ich bin oft ein fauler Schlumpf. Aber prinzipiell gilt: Ich lerne gerne.
Klar, auch ich bin oft ein fauler Schlumpf. Aber prinzipiell gilt: Ich lerne gerne.
Liebe/Licht (> Laterne) oder Mauer?
Liebe/Licht (> Laterne) oder Mauer?
Es ist, was es ist.
Es ist, was es ist.
Alles eine Frage der Perspektive.
Alles eine Frage der Perspektive.
Uns verbindet eine Menge.
Uns verbindet eine Menge.
Geplant war Baseball.
Geplant war Baseball.
Und dann das.
Und dann das.
Flugsimulation auf dem Skateboard.
Flugsimulation auf dem Skateboard.
Das Eis vor dem Dreh.
Das Eis vor dem Dreh.
Schmetterlings-Installation...
Schmetterlings-Installation...
...am Fahrradkorb.
...am Fahrradkorb.
Anleitung für den Papierflieger.
Anleitung für den Papierflieger.
Filmexperimente nach dem Aufstehen.
Filmexperimente nach dem Aufstehen.
Immer mit dabei,...
Immer mit dabei,...
...selbst bei den Gesangsaufnahmen: der Schmetterling.
...selbst bei den Gesangsaufnahmen: der Schmetterling.
Und plötzlich war's ein Video.
Und plötzlich war's ein Video.


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Kommentare: 2
  • #1

    Meggie (Freitag, 13 September 2013 10:45)

    Was für ein wundervoller Text... Danke, dass Du uns an Deinen Gedanken teilhaben und an der Song- und Video-Entstehtung auf diese wundervolle Weise teilhaben lässt. Ich bin echt beeindruckt und berührt.

  • #2

    Beate (Donnerstag, 10 Juli 2014 21:42)

    Gänsehaut pur. Mein Kompliment an die junge Generation. Ich finde es bewundernswert, wie einfach ihr etwas ausdrückt, nach dem ich jahrelang auf der Suche war. Du bist toll Anke. Ich wäre sehr stolz, solch eine Tochter zu haben. Danke für dieses wundervolle Lied.