Zwischenwort: "Ja, was bist du denn eigentlich?"

 

Im Sommer 2013 spielten meine Band und ich auf einem großen, familienfreundlichen Sommerfest hier in Duisburg. Es war viel geboten, vor allem für die Kinder. Dazu gehörte auch Gesichtsschminken. Es gab Luftballons. Und kostenloses Eis für alle. Ein tolles Fest.

 

Vor unserem Auftritt streunerten wir herum. Mein Schlagzeuger Jens drehte sich plötzlich zu mir mit der Feststellung: "Also dieses Gesichtsschminken für die Kinder ist so eine Sache. Manche von denen sehen ja echt gut aus. Aber bei manchen denke ich mir: Das hätte ich auch hinbekommen." Wir lachten.

 

Wenige Augenblicke später stellten wir uns in der Eisschlange an. Daraufhin wurden wir Zeuge der folgenden Situation:

 

Ein geschminktes Kind bestellt ein Eis. Die Eisfrau händigt es ihm liebevoll aus mit den Worten: "Mensch, du bist ja ein richtiger...ja, was bist du denn eigentlich?". Den Rest des Dialogs zwischen den beiden bekamen wir nicht mehr mit. Wir mussten uns abwenden, damit man unser Lachen nicht bemerkte. Wir wollten ja niemanden bloßstellen. Kaum hatten wir uns von der Eisschlange entfernt, rollten wir uns ab vor Lachen. Situationskomik, wie man sie aus dem Film kennt.

 

"Ja, was bist du denn eigentlich?", ist seitdem eine geflügelte Frage in meinem Freundeskreis. Die Anekdote (oder Ankedote, wie wir neuerdings in solchen Fällen sagen), hat die Runde gemacht. Und genau diese Frage stellt sich auch im Bezug auf dieses Buch.

 

Ja, was ist dieses Buch denn eigentlich? Es ist kein Roman. Es ist kein Ratgeber. Und es ist auch kein Lehrbuch. Einigen wir uns auf Bilderbuch.

 

Ein Bilderbuch, das ich zusammengestellt habe, weil

1.) ich Bilderbücher in meiner Kindheit geliebt habe und die Vorstellung schön finde, hiermit ein Bilderbuch für Große (einschließlich mir) geschaffen zu haben.

2.) ich sehr schnell und sehr viel schreiben kann. Die Alternative dazu, Bilder für sich sprechen zu lassen, wäre Text gewesen. Sehr viel Text. Da ich aber seit geraumer Zeit ein Fan von "weniger ist (oft) mehr" bin - so zumindest finde ich es in der Musik oft bestätigt -, setze ich lieber auf wenig Text und viel Bild. Und viel Spaß. Den hatte ich jedenfalls beim Erstellen der Fotos und Zeichnungen.

3.) es sich eben so ergeben hat. Wie so vieles in meinem Leben.

 

Was ist mein Ansinnen?

 

Wenn man Anwalt werden möchte, studiert man Jura. Wenn man Arzt werden möchte, studiert man Medizin. Wenn man ein erfülltes Leben leben möchte, studiert man das Leben. So sehe ich das jedenfalls. Zu einem solchen "Studium" gehören regelmäßige Hingabe (man beachte, dass ich das Spaßbremsenwort "Disziplin" gemieden habe), Hausaufgaben ebenso wie das Lernen im Allgemeinen. Was machen wir aus den Nüssen, die uns das Leben zu knacken gibt? Da bekommt "Studentenfutter" ganz neue Bedeutung. Und Rosinen herauspicken auch (siehe auch "Für ein geNUSSvolles Leben", S. ...).

 

Ein befreundeter Buchautor, der Denglisch-Experte Robert Tonks, hat die wunderbare Formulierung "Learning by Laughing" geprägt. Ich persönlich lerne die Lektionen des Lebens am liebsten, indem ich darüber lache und vermeintliche Herausforderungen, Probleme und Rückschläge eben nicht ganz so ernst nehme. Wer sagt, dass das Leben schwer ist? Wer sagt, dass es nicht spielerisch zugehen darf? Oft genug entscheiden wir uns zwischen Tragödie und Komödie.

 

Mein Weg als Musikerin war in den letzten Jahren aufregend, lang und bisweilen auch beschwerlich. Selbstständigkeit und die Kreativbranche fordern ihren Tribut. Oder sagen wir: bieten viele Gelegenheiten, stets kreativer und stärker zu werden. Über sich hinauszuwachsen.

 

Vieles von dem, was die Menschen bei mir an Souveränität und Bühnenpräsenz wahrnehmen, ist Ergebnis des Weges, den ich zurückgelegt habe. Ich bin keine geborene "Rampensau", wie man im Bezug auf Musiker oft sagt und wie es viele auch bei mir vermuten. Und ich bin auch keine "Frohnatur", wie manche feststellen, wenn sie mir anmerken, dass ich stets darum bemüht bin, dem Leben seine positiven Seiten abzugewinnen.

 

Die Wahrheit ist: Ich habe mich dazu entschlossen, was Schönes aus meinem Leben zu machen. Diese Entscheidung besteht im Grunde genommen aus vielen kleinen Entscheidungen im Alltag. Es gibt immer etwas zu beanstanden. Es gibt aber auch immer etwas, wofür man dankbar sein kann. Worauf lege ich mein Augenmerk? Diese Entscheidung ist es, die ich meine, wenn ich sage: Ich habe mich dazu entschlossen, was Schönes aus meinem Leben zu machen. Ich mache meine Hausaufgaben, um das Bild von eben aufzugreifen. Ich lerne gerne.

 

Zu erörtern, was es für mich in letzter Instanz bedeutet, "was Schönes aus meinem Leben zu machen", würde an dieser Stelle zu weit gehen. Letztlich hat jeder von uns seine ganz eigene Vorstellung vom "Sinn des Lebens".

 

Es geht in diesem Buch also nicht um das Ziel, sondern um den Weg.

Es geht darum, diesen Weg zu gehen. Ihn zu gestalten.

Es geht darum, wie ich meine Kreativität im Alltag nutze, um mein (Innen-) Leben so zu gestalten, wie ich es mir wünsche. Wie es mir Freude macht. Wie es mich dorthin bringt, wo ich hin möchte.

 

Über viele Jahre habe ich meine Kreativität vor allem im Bereich der Musik ausgelebt und andere Talente und Interessen ausgeblendet, ja sogar heruntergespielt. Erst mit den Jahren wurde mir klar, dass sich Kreativität nicht eindämmen lässt. Warum sollte man das auch tun? Es heißt ja auch schließlich, "aus dem Vollen schöpfen".

 

"Aus dem Vollen schöpfen" heißt für mich, dass mir mittlerweile geradezu jedes kreative Mittel recht ist, um eine Situation, die mir Unbehagen bereitet, in etwas umzuwandeln, das sich gut oder zumindest besser anfühlt. Und warum mache ich mir die Mühe? Nun, ich finde das Leben schöner, ich bin kreativer, liebevoller, glücklicher,...wenn ich mich eben nicht von Ängsten & Co. in die Ecke drängen lasse. Wenn ich bewusst dazulerne. Wenn ich lerne, bewusst mit den Dingen umzugehen.

 

Eine Situation verwandelt sich einfach nur dadurch, dass ich einen anderen Standpunkt einnehme. Meine Sichtweise weite. So einfach. Es funktioniert. Das fasziniert mich. Jedes Mal auf's Neue.

 

DAS ist für MICH Freiheit und der Schlüssel zu dem Leben, das ich mir wünsche.

 

"Ja, was bist du denn eigentlich?", ist letztlich die Frage, die ich dir, lieber Leser, stelle. Oder anders gefragt: "Wo möchtest du hin? Und wie kommst du dahin?"

 

Eine Vielzahl meiner Antworten auf diese Fragen finden sich in diesem Buch. Dabei geht es nicht darum, dass du meine Erkenntnisse und Techniken übernehmen mögest. Vielmehr will dieses Buch Anstoß geben, dass du deine eigene kreative Maschine in Gang schmeißt und von der inneren Freiheit Gebrauch machst, derer du dir gewiss sein kannst.

 

Du kannst nur gewinnen. Und irgendwas geht immer. Das garantiere ich dir.

 

Viel Spaß bei deiner inneren Entdeckungsreise wünscht dir von Herzen

 

Anke Johannsen

 

 

 

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