Gelernt: Erfahrungen machen uns zu Experten…und manchmal auch zu Dichtern.

Ins Bett zu gehen lohnt sich nicht mehr. Nach unserem letzten ereignisreichen und (übrigens auch in Sachen Wetter wieder) wunderschönen Tag hier im Libanon sind die Koffer jetzt, um 2:37 Uhr, gepackt. Um 4:00 Uhr wird uns unser Fahrer George ein letztes Mal abholen und zum Flughafen bringen.

Ich blicke zurück auf einen eindrucksvollen Ausflug nach Byblos am Nachmittag, bei dem ich mich gefühlt (und vermutlich auch aufgeführt) habe wie ein Kind auf einem Abenteuerspielplatz. Einen Workshop in der Musikschule mit offenen und interessierten jungen Menschen, deren Wertschätzung für unser Kommen mich einmal mehr umgehauen und darin bekräftigt hat, dass diese Reise wichtig und richtig war. Und zuletzt ein wunderschönes Abendessen im Kreise der Familie im Hause Adaimi mit noch mehr Leckereien und Geschenken.

Knapp zwei Wochen habe ich nun täglich gebloggt. Viel mehr, viel ausführlicher, als geplant. Die ein oder andere Stunde Schlaf hat mich das gekostet. Aber schon jetzt bin ich froh, dass ich mir die Zeit dafür genommen habe. Leicht fällt es mir nicht, mich aus dieser Welt zu lösen, doch da ist auch die Vorfreude auf meine Familie und Freunde in Deutschland, das eigene Bett, den Duisburger Weihnachtsmarkt (mit Riesenrad!) und die Gewissheit, dass ich die Essenz dieser Reise in meinem Herzen (und wohlgemerkt nicht in meinem prall gefüllten Koffer) nach Hause tragen werde.

Vielleicht ist es die Müdigkeit, vielleicht ist es aber auch die Sprachlosigkeit in Anbetracht dieser Fülle, die die letzten zwei Wochen ausgemacht hat und zu einem geradezu zeit- und raumlosen Unterfangen hat werden lassen...während des Packens kommen mir jedenfalls gedichtartige Zeilen in den Sinn. Als sich der Zyniker in meinem Kopf, der schon bei Kompositionen wie „Greif nach den Sternen“ und „Liebe ist überall“ in den letzten Jahren immer wieder den Kürzeren gezogen hat, zu Wort meldet und mir zu verstehen gibt, dass es jetzt zu kitschig wird, schiebe ich ihn liebevoll an Seite. Nach all der Offenheit und Nahbarkeit, die ich hier in der letzten Zeit an den Tag gelegt habe, ist auch hierfür noch Platz.

In der Musikschule hat man mich heute als Expertin zu Rate gezogen und um Tipps gebeten. Ich habe Musik nicht studiert, wohl aber das Leben. Wenn mich das in manchen Gebieten zu einer Expertin macht, dann bin ich herzlich gerne bereit dazu, meine Expertise zu teilen und weiterzugeben. Und genau so handhabe ich es auch mit den folgenden soeben gedichteten Zeilen:

Was uns trennt, das nennt man Vielfalt,
was uns fremd ist, das nennt man neu.
Was uns eint, ist das, was nachhallt.
Wozu die Abwehr, wozu die Scheu?

Was wir durch einander sehen,
ist das Neuland, das wir begehen.
Und was wir hier und jetzt gemeinsam sehen,
ist die Zukunft, für die wir alle stehen.

Wenn der Mut einmal uns schwindet,
und es fehlt sie - die Vision.
Schauen wir auf das, was uns verbindet
fernab von Politik und Religion.

Was wir in uns und um uns sehen,
ist das Festland, auf dem wir stehen.
Und was wir in einander sehen,
ist die Vision. Kommt, lasst uns ihr entgegengehen.

Libanon, du bist ein verrücktes Land. Ein Garten voller Vielfalt. Du bist wie Duisburg - bunt, unterschätzt und äußerst liebenswert. Ich finde dich cool und bin froh, dass wir Freunde sind. Ich denke, wir werden noch das ein oder andere miteinander anstellen, wenn du magst. Und ich komme gerne wieder, wenn ich darf. Bis bald!


Weitere Eindrücke von unserem Workshop gibt's übrigens hier:

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