Viele Antworten und noch mehr Fragen

Wenn ein System durch ein ungewohntes Element irritiert wird, kann dies ein belebender Aufbruch sein - eine Chance, neue Wege zu entdecken und beschreiten. Darin besteht in wenigen Worten der Ansatz der künstlerischen Intervention in der Wirtschaft (s. auch hier).

 

Die BTC AG mit Hauptsitz in Oldenburg lud mich im vergangenen Herbst ein, mit meinen künstlerischen Methoden einen Prozess rund um das Thema interne Kommunikation zu begleiten. Daraus wurde ein mehrmonatiges Projekt, das neben einem illustrierten/musikalischen Jahresrückblick an der firmeninternen Adventsfeier eine Reise zu allen deutschen Geschäftsstellen (Münster, Bremen, Hamburg, Berlin, Leipzig, Neckarsulm, Mainz, Oldenburg) beinhaltete.

 

Im Gepäck hatten meine Projekt-Partnerinnen Lena Mäusezahl, Silke Förtsch und ich neben meinem Klavier, einer Papierrolle und einer Vielzahl von Workshop-Utensilien eine Auswahl wohlüberlegter Fragen. Das Zuhören sollte bei all unseren Stationen im Mittelpunkt stehen. Wir verstanden uns als "Askforce".

 

Meine Rolle als begleitende Künstlerin bestand im Wesentlichen darin, ein Spiegel zu sein. Ein unvoreingenommer Spiegel, möchte ich ergänzen. Mal spielte ich Klavier, mal sang ich, mal stellte ich Fragen. Mein Zuhören manifestierte ich in Form von Schlagwörtern und Zeichnungen auf einer Papierrolle, die zum Ende unserer Reise eine imposante Länge erreichte.

 

Zu den künstlerischen Ergebnissen, die im Rahmen dieses Projektes entstanden, zählen eine Komposition, Illustrationen, Fotos, und Videos. Diese künstlerische Wertschöpfung flankiert, unterstreicht oder beschleunigt gar einen Prozess, der sich aus den inhaltlichen (Zwischen-) Ergebnissen unserer "Dialogreise" ergibt. Viele Antworten und noch mehr Fragen. Der Dialog ist in vollem Gange. Nach der Reise ist also vor der Reise, während mein Part als begleitende Künstlerin dieser Tage zum Abschluss kommt. Es wird spannend sein, von nun an aus der Ferne zu verfolgen, welchen Nutzen, welche Chancen die BTC für sich kurz- und längerfristig aus diesem Projekt ableiten wird.

 

Allgemeingültig erscheint mir indes: Zukunftsfähigkeit erfordert Weitblick. Weitblick erfordert eine Auseinandersetzung mit Werten. Für welche (menschlichen) Werte steht ein Unternehmen? Wie viel Sinn stiftet es für seine Kunden, für seine Mitarbeiter? Welche Antworten formuliert es auf die Fragen der Zukunft in Worten und Taten?

 

Meine Kunst kann und will auf diese Fragen keine konkreten Antworten geben. Auch im Fall der BTC nicht. Was aber kann, was will Kunst? Ein Gedicht kommt mir in den Sinn, das ich im vergangenen Jahr während einer Konferenz schrieb, die sich dem Rohstoff Kreativität widmete (s. u.).

 

Wäre da noch die Frage: "Dialogreise" oder "Dialogriese"? Ein Buchstabendreher brachte die Mädels und mich in den Wochen unserer Reisevorbereitung zum Lachen. Passend dazu: meine künstlerische Auseinandersetzung mit dem Thema "Entfaltung" im Jahr 2015: "Von Reisen und Riesen und wie wir es drehen".

 

Das letzte Wort meines heutigen Blog-Artikels sei einer tiefen Dankbarkeit gewidmet. Zutiefst dankbar bin ich, und zwar für die Begegnungen mit all den Menschen, die sich im Rahmen dieses Projektes auf die Kunst (und somit auch auf mich) eingelassen haben. Ihr habt mich bisweilen herausgefordert. Vor allem aber habt ihr mich berührt und inspiriert. Ihr seid Dialogriesen. Und ihr wisst, wer ihr seid.

 

Fotos: Anke Johannsen, Lena Mäusezahl


 

Was will Kunst?

 

Will Kunst sich einmischen
oder uns am Ende einfach nur das echte Leben auftischen?
Uns erfrischen
und dabei knallen, krachen und zischen?

Will Kunst einschreiten
oder uns behutsam anleiten?
Uns verzaubern mit ungeahnten Neuheiten.
Uns dabei mal tragen und mal reiten.

Will Kunst was bewegen
oder uns mal rufend, mal flüsternd ans Herz legen
nicht immer abzuwägen,
sondern uns wahrhaftig zu regen?

 

Will Kunst stören,
sich an sich selbst betören
oder doch mit offenen Ohren zuhören?
Einzelnen Stimmen. Ganzen Chören.

In kreativ
steckt immerhin tief.
Und ja genau, kreativ
reimt sich auch auf Korrektiv.

Ich fasse zusammen: Kunst ist nicht der neue Hype.
Kunst war schon immer der echte Vibe.
Wir reden von unser aller Rohstoffen.
Wollen wir sie nutzen? Sind wir wirklich offen?

Es bleibt zu hoffen.