In Ordnung und immer im Begriff zu wachsen

[...]

 

Weil die Liebe und
der Mut
Kräfte sind
des selben Wachstums
Nach vorne
Nach oben

Weil das Schweigen und
das Tun
Ausdruck sind
der selben Entscheidung
zu geben
Auch ungesehen

 

[...]


aus meinem Gedicht In Ordnung

 

Dem Podiumsgespräch entlehnt, an dem ich unlängst für die Brost-Stiftung mitgewirkt habe, könnte dieser Blog-Artikel auch beginnen mit:

 

Wann, wenn nicht wir?

 

Weitwinkel gen Zukunft, ob es nun um die Identität des Ruhrgebiets oder unsere Stimme für die Bundestagswahl geht.

 

Zunächst zur Bundestagswahl. Fällt es mir – noch dazu als Sängerin – schwer, meine Stimme abzugeben? Nicht, wenn ich damit den Kindern und Jugendlichen Gehör verschaffen kann. In der Tat vermisse ich schmerzlich das In-den-Blick-Nehmen unserer Mitmenschen unter 18 in Zeiten von Corona und Wahlkampf.

„Man erkennt den Wert einer Gesellschaft daran, wie sie mit den Schwächsten ihrer Glieder verfährt.“, soll Gustav Heinemann, ehemaliger Bundespräsident, einst gesagt haben.

Ich sage: Unsere Kinder kommen in diesen Zeiten zu kurz. Viel zu kurz. Ich will nicht glauben, dass unser Bestes ist, was wir da in den letzten Monaten gegeben haben. Das kann nicht unser Bestes sein. Schon mal gar nicht in einem Jahr, in dem ein neuer Bundestag gewählt wird.

Wo sind die Coronahilfen, mit denen wir beispielsweise den Kindern ein Signal der Wertschätzung senden? Ein Buch ihrer Wahl meinetwegen, auf diese Weise sogar den lokalen Buchhandel wie die Buchhandlung Scheuermann unterstützend.

 

Ist schon ein paar Monate her, dass ich diese Gedanken verfasst habe, in vielerlei Hinsicht haben sie leider ihre Gültigkeit behalten (Die Erwachsenen sind die Kinder).

Damit zur Identität des Ruhrgebiets. Wolfram Eilenbergers Das Ruhrgebiet – Versuch einer Liebeserklärung ist für meinen Geschmack ein ziemlich gelungener Blick auf unsere Region. Wer sich aufrichtig-interessiert mit dem "Pott" befasst, kommt an der Vergangenheit nicht vorbei. Auch Eilenberger nicht. Umso erfreulicher für mich als Leserin, dass er das in aufschlussreicher Weise bewerkstelligt, indem er damit nämlich die Tür öffnet für Fragen und Zukunftsperspektiven, die es schlichtweg in sich haben.

„Die stillgelegten Anlagen gelten heute als Denkmal, sie könnten aber bald zum Mahnmal werden und dann wird diese heroisierte Darstellung des Bergbaus kritisch umgedeutet zu einem Symbol für fossilen Kapitalismus“, so Eilenberger im Rahmen unserer Podiumsdiskussion, um kurze Zeit später auf männliche Vergangenheit (Stichwort "Kumpel") und weibliches Potenzial zu sprechen zu kommen.

Ruhig mal einen Moment wirken lassen.

Meine Einschätzung: Wer es philosophisch-anspruchsvoll mag, wird die Betrachtungen Eilenbergers als Einladung in neue, lohnenswerte Gedankengänge über Tage erleben, die das Zeug dazu haben, sich zu erfrischenden eigenen zu entwickeln.

Und: Ich habe mich wohlig erinnert gefühlt an mein eigenes Ankommen und Verlieben hier in Duisburg.

„Es geht darum, einfach loszulegen und zu machen. Die entscheidenden Ideen entstehen im Tun!“, werde ich in der Rückschau der Veranstaltung zitiert.

Die Entstehung meines Albums » Wir Zugvögel « ist dazu eine meiner bisher eindrucksvollsten Erfahrungen, und auch sie beinhaltete Vergangenheit und Zukunft des Ruhrgebiets – am Beispiel von Dinslaken-Lohberg:


Damit zu ein paar Herzens-Hinweisen:

 

Thomas Egelkamp, Professor und Künstler-Kollege, der mich seinerzeit als Lehrbeauftragte an die Alanus Hochschule geholt hat, ist im Juli nach längerer Krankheit verstorben. Ich habe Thomas sehr geschätzt für seine Hingabe, Dimension und Herzenswärme. Sein künstlerisches Schaffen, sein Engagement an der Hochschule und sein Umgang mit dem Sterben haben mich bis zuletzt tief beeindruckt. Deswegen möchte ich an dieser Stelle auf seine Stiftung Artepreneur für Kunst, Transformation und Vermittlung hinweisen.

 

Und da wir gerade bei wahrhaftigen Dingen sind:

 

Ted Lasso schon kennen und lieben gelernt? Eine Serie gegen den Zynismus, in der es beim zweiten Eindruck überhaupt nicht um Fußball geht.

 

Das Ich, das du nicht siehst...sollte gesehen werden.

 

Schließlich noch der Hinweis, dass ich auf Wunsch einer Person, die gerne Postkarten von mir verschenkt, zwei besonders beliebte Motive habe nachdrucken lassen. Was das Foto rechts nicht erkennen lässt: Die Karten sind versehentlich doppelt so groß ausgefallen wie geplant, nämlich in A 6.

 

Doppelt so viel Mut und Liebe. In Ordnung. Der Kreis schließt sich. So habe ich's am liebsten.

 

P. S.: Postkarten-Interessierte melden sich bitte per Email bei mir.

 

 

 

P. S.: Sehen wir uns?