Der Tag vor der Abreise

Die letzten Tage waren hektisch. Termine in der Vorweihnachtszeit eben. Heute habe ich zum Glück frei und kann mich in Ruhe den Reisevorbereitungen widmen.

 

Der große rote Koffer, den mir unsere Gastgeberin Lotti bei meinem Besuch vor zwei Jahren auslieh, damit ich den wunderschönen Teppich, den sie mir damals schenkte, transportieren konnte, tritt morgen früh seine Heimreise an, und ich darf ihn begleiten. So schließt sich der Kreis.

 

Apropos "so schließt sich der Kreis": Erstaunt stellte ich fest, dass sich in Ägypten derzeit ähnliches ereignet wie vor zwei Jahren. Damals standen wir an jenem Abend auf der Bühne der amerikanischen Universtität in Beirut, als Mubarak seinen Rücktritt bekannt gab und Ägypten seinen Etappensieg auf dem Weg zu Demokratie und Freiheit feierte. Die Aufbruchsstimmung war damals auch im Libanon zu spüren und erinnerte mich fast ein wenig an die Stimmung, die ich damals in den USA hautnah miterleben durfte, als Obama zum ersten Mal zum Präsidenten der USA gewählt wurde. Grenzt Ägypten auch nicht an den Libanon, so verfolgten seinerzeit im Libanon doch alle (uns eingeschlossen) mit großem Interesse, was sich dort abspielte. Zwei Jahre später, und die Situation scheint eine ähnliche. Ich bin gespannt, wie meine libanesischen Freunde darüber denken.

 

Noch viel brisanter scheint mir, was in den an den Libanon grenzenden Ländern Isral und Syrien los ist. Man hat mir versichert, dass von den Unruhen speziell in Syrien im Alltag der Familie, bei der ich erneut untergebracht seine werde, kaum etwas bis gar nichts zu spüren ist. Ich weiß zudem, dass sich die Realität zumeist ganz anders darstellt als das, was man in der hiesigen Medienlandschaft davon mitbekommt. Insofern reise ich morgen zwar mit einem gewissen Respekt, aber eben ohne Angst ab Düsseldorf los. Was überwiegt ist die Vorfreude auf die Begegnungen mit den Menschen vor Ort.

 

Bemerkenswert finde ich, dass von meinen Freunden oder Familienangehörigen hierzulande keiner auch nur ansatzweise Anstalten gemacht hat, mir auszureden, in den Libanon zu fliegen. Vielleicht liegt es daran, dass sie wissen, dass ich diese Reise nicht antrete, weil ich den Nervenkitzel suche oder irgendjemandem irgendetwas beweisen möchte; es ist vielmehr so, dass es für mich völlig logisch und naheliegend erscheint, der Einladung von Lotti und dem dortigen deutschen Kulturzentrum zu folgen und erneut eine musikalische Brücke zwischen der unsrigen und der dortigen Kultur zu schlagen.

 

Diesen Blog zu schreiben ist für mich Teil dieser Brücke. Hätte man mich vor zwei Jahren nach dem Libanon gefragt, ich hätte nichts über dieses Land gewusst, nicht mal, wo es geographisch genau liegt. Das Interesse von Seiten der Presse, Fans und Freunde motiviert mich, diese Reise tatsächlich auch als Chance zu begreifen, eben diese Brücke zu bauen.

 

Abgesehen davon bin ich aber auch einfach dankbar für die Anteilnahme und die vielen Wünsche.

In diesem Sinne lasse ich mich morgen mit Zuversicht und Vorfreude auf mein 10-tägiges Abenteuer Libanon ein. Der nächste Blog-Eintrag folgt nach meiner Ankunft dort.

 

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