Gelernt: Geschenke annehmen

Der ganze heutige Tag steht im Zeichen des Annehmens von Geschenken. Lerne: Bei einer Reise wie dieser gehört es offenbar dazu, den Menschen, dem Land und dem Leben Gelegenheit zu geben, großzügig zu sein. Stimmt, wir haben bei unseren Konzerten Gas, ja vielleicht sogar alles, auf jeden Fall aber unser Bestes gegeben. Jetzt auch anzunehmen, was da zurückkommt, scheint heute angesagt.

Unser libanesischer Bekannter Issam, der bei mehreren unserer Konzerte war, hat uns eingeladen, den Nachmittag mit ihm zu verbringen. Sein Angebot, uns dabei herumzufahren wie es uns beliebt, ist eines der vielen Geschenke, die unseren heutigen freien Tag für uns zu einem echten Genuss- und Urlaubstag machen.

Dass das Wetter just zu dem Zeitpunkt, als wir das Haus verlassen, die Kurve bekommt und wir einen sonnigen Nachmittag in Beirut erleben, ehe es gegen Abend wieder regnerisch wird, gehört ebenfalls zu diesen Geschenken. Und das libanesische Mittagessen in der Sonne. Die gelassene Sonntagsstimmung im Einkaufszentrum (samt Shisha-Pfeifen, so weit das Auge reichen und die Nase riechen kann). Das Einfach-nur-Herumlaufen mit Cappuccino in der Hand in der Innenstadt von Beirut. Das Beobachten des heiteren Miteinanders der Fußgänger und Tauben und Soldaten und Katzen (klick - inneres Foto). Das Entdecken von Details, seien sie historischer, architektonischer oder zwischenmenschlicher Art.

Der Spaziergang am Wasser bei so faszinierendem Licht und Farbspiel, dass Meer, Berge und Himmel kaum auseinanderzuhalten sind. Nach unzähligen Versuchen gelingt mir sogar ein Foto eines Blitzes in der Ferne. Ich bin ja sonst kein Fan von Fotografieren mit Blitz, aber das hier flasht mich.

 

Von meinem letzten Besuch habe ich noch ein Riesenrad direkt am Wasser in Beirut in Erinnerung, das ich dieses Mal noch nicht gesehen habe. Meine Vermutung: Es war - ähnlich wie beim Duisburger Weihnachtsmarkt - im Zusammenhang mit dem Weihnachtsmarkt an der Zaituna-Bucht aufgebaut worden, den wir dieses Mal verpassen werden. Schade. Bei meiner letzten Reise wollte ich unbedingt noch damit fahren, aber dazu war es dann leider nicht mehr gekomen. Umso erfreuter bin ich, als ich bei unserer Exkursion mit Issam heute plötzlich das Riesenrad an der Bucht entdecke. Es ist Teil eines kleinen Vergnügungsparks, der sich weiter hinten an der Bucht befindet, als ich es in Erinnerung hatte. Die Jungs sind dabei, und am Ticketschalter versichert man uns, dass das windige und regnerische Wetter, das mittlerweile Einzug gehalten hat, einer Fahrt mit dem Riesenrad nicht im Wege steht. Ganz im Gegenteil, finde ich sogar: So macht es erst richtig Spaß. Was für ein Geschenk, dass ich das heute noch erleben darf!

Dass Issam es sich nicht nehmen lassen hat, das Mittagessen zu bezahlen und Jens und mir im Verlaufe des Nachmittags weitere diverse Geschenk macht, bringt mich zwischendurch ein wenig in Verlegenheit. Vor allem aber genieße ich diesen Tag mit allem Drum und Dran. Dazu gehört im Anschluss an unseren Tagesausflug auch das Abendessen im Hause Adaimi, das heute ein wenig festlicher ausfällt, weil Lotti und Faouzi Besuch empfangen. Der Abend endet - wie könnte es auch anders sein - mit einer musikalischen Darbietung von Jens und mir. "Thank you for the Sunshine, thank you for the rain", singen wir alle miteinander. Und so beschließen wir mit einem perfekten Soundtrack unseren vorletzten Tag im Libanon. Lotti nennt den Libanon verrückt, Issam nennt ihn einen Garten, in dem sich alles Mögliche findet. Ich nenne ihn heute ein Land, das mich reich beschenkt.

 

Freue ich mich auf das Riesenrad auf dem Duisburger Weihnachtsmarkt? Worauf ihr wetten könnt!

 

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