Was uns verbindet

Artikel in der Rheinischen Post vom 5.2.2013
Artikel in der Rheinischen Post vom 5.2.2013

Als Musikerin werde ich oft gefragt, was für mich der berühmt berüchtigte "Durchbruch" sei und wie und wann ich ihn wohl erleben werde oder womöglich schon erlebt habe. Bislang habe ich zu dieser Frage eine Antwort verweigert, weil ich zugegebenermaßen die Frage und auch das Wort "Durchbruch" im Zusammenhang mit meiner Musik nicht mag. In den Charts landen, im Radio laufen, Hallen füllen,...geht's darum wirklich? Ist das der "Durchbruch", von dem immer alle sprechen? Oder geht's am Ende nicht um die eigene Definition von "Durchbruch" und die eher persönliche Erfahrung damit? Und überhaupt, was wird denn durchbrochen?

 

Heute greife ich das Wort "Durchbruch" freiwillig selbst auf, denn am vergangenen Samstagabend habe ich für mich so etwas wie einen Durchbruch erlebt. Einen persönlichen, sollte ich hinzufügen.

 

Was habe ich durchbrochen? Meine ganz persönliche "Mauer" aus Ängsten und Zweifeln.

 

Ich habe all meinen Mut zusammengenommen, mich auf die Bühne gestellt und mich zu einem Land bekannt, über das ich vor zwei Jahren noch kaum etwas wusste.  

 

Kann man das machen?, habe ich mich in den Tagen zuvor oft voller Selbstzweifel gefragt. Ich bin schließlich Musikerin und keine Libanon-Expertin. Was zählen meine Eindrücke und Erfahrungen schon. Ich hatte Sorge, für mein plötzliches Libanon-Engagement belächelt zu werden; Sorge, dem Libanon in meiner Darstellung nicht gerecht zu werden; Sorge, mich inkompetent zu komplexen politischen oder religiösen Sachverhalten zu äußern.

 

Die Antwort ist: Ja, man kann.

 

Denn am Ende ging es nicht (nur) um den Libanon. Es ging für mich in letzter Instanz um das, was uns verbindet. Und dazu kann jeder etwas sagen, also auch ich, die schon seit Jahren beim Betreten einer Bühne von eben dieser verbindenden Kraft angetrieben wird.

 

Was ist es also, was uns verbindet? Wer mich kennt, der wird wissen, was jetzt kommt. Aber wem das Wort "Liebe" zu abgedroschen oder kitschig ist, der kann sich vielleicht mit Begriffen wie "Frieden", "Respekt" oder "Nächstenliebe" arrangieren. Was uns verbindet, sind meines Erachtens eben diese Dinge und der Mut jedes Einzelnen, dafür einzustehen.

 

Meine Dankbarkeit für meine Konzertreise im vergangenen Dezember mit den vielen eindrucksvollen Erfahrungen und Begegnungen war stärker als meine (Selbst-) Zweifel.

 

Zum Glück, kann ich heute sagen, denn "Ein Licht für Tripoli" wurde zu einer wunderbaren, runden Veranstaltung mit einem wundervollen Publikum, leckerem arabischem Essen und einem beeindruckenden Spendenbetrag von insgesamt 1.839 €.

 

Mein Lob an die Christengemeinde Ruhrort, die mich in ihrem Haus gastieren ließ, obwohl ich nicht ihrer Gemeinde angehöre. Sie haben durch ihre Einladung und ihre Gastfreundschaft demonstriert, dass es auch ihnen um das geht, was uns alle verbindet - so zumindest habe ich es empfunden, und das hat mich beeindruckt und sehr dankbar gemacht.

 

Mein Dank gilt auch dem Publikum, das an dem Abend mit so viel Interesse und Wohlwollen meinen Songs und Erzählungen gelauscht und seine Begeisterung uneingeschränkt zum Ausdruck gebracht hat. Die stehenden Ovationen und die vielen persönlichen Rückmeldungen von berührten oder gar bewegten Besuchern lassen mich immer noch ein wenig sprachlos zurück. Ich verstehe den Zuspruch als Auftrag, auch in Zukunft meinem Herz zu folgen und mutig zu sein.

 

Eines der Highlights, so wurde mir gesagt, waren meine Erzählungen über meine Begegnung mit Charbel, über den ich seinerzeit auch in meinem Libanon-Blog berichtet habe. Hier ist das Video, das ich am Samstagabend gezeigt habe:

Musik verbindet zweifelsohne.

 

Übrigens: Was uns in der heutigen Zeit außerdem verbindet, ist Facebook. Und so konnte ich Charbel heute davon berichten, dass er seit Samstag ein paar neue Fans hier in Deutschland hat. Er hat sich riesig gefreut.

 

Herzlichen Dank abschließend auch an Heinz Pischke von duisburg-bilder.de für die Fotos.


Artikel in der WAZ vom 6.2.2013
Artikel in der WAZ vom 6.2.2013
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