brand eins Zukunftskonferenz 2016 – Wendepunkte: Anke Johannsen

Kunst in die Wirtschaft


 

Was will Kunst?

 

Will Kunst sich einmischen
oder uns am Ende einfach nur das echte Leben auftischen?
Uns erfrischen
und dabei knallen, krachen und zischen?

Will Kunst einschreiten
oder uns behutsam anleiten?
Uns verzaubern mit ungeahnten Neuheiten.
Uns dabei mal tragen und mal reiten.

Will Kunst was bewegen
oder uns mal rufend, mal flüsternd ans Herz legen
nicht immer abzuwägen,
sondern uns wahrhaftig zu regen?

 

Will Kunst stören,
sich an sich selbst betören
oder doch mit offenen Ohren zuhören?
Einzelnen Stimmen. Ganzen Chören.

In kreativ
steckt immerhin tief.
Und ja genau, kreativ
reimt sich auch auf Korrektiv.

Ich fasse zusammen: Kunst ist nicht der neue Hype.
Kunst war schon immer der echte Vibe.
Wir reden von unser aller Rohstoffen.
Wollen wir sie nutzen? Sind wir wirklich offen?

Es bleibt zu hoffen.

 

(gereimte Notizen inspiriert durch eine Konferenz, bei der es um Kreativität als Rohstoff ging)



Einblicke in bisherige Projekte

Geglückte Punktlandung

mehr lesen 0 Kommentare

Aufgemacht

mehr lesen 0 Kommentare

"(Wie) Kann Sinn führen?"

mehr lesen 0 Kommentare

Viele Antworten und noch mehr Fragen

mehr lesen

(Hinter-) Gründe künstlerischer Intervention


Im Sommer 2014 war ich eingeladen, an einem Workshop teilzunehmen. Darin ging es um einen Ansatz, den ich als Künstlerin und Kreativ-Unternehmerin im Rahmen meiner Projekte schon seit geraumer Zeit verfolge. Während die Erklärungen des LKW (Labor für Kunst und Wirtschaft) einen fachlichen und sachlichen Umriss bieten, um was es bei "künstlerischer Intervention" geht (s. u.), seien mir an dieser Stelle ein paar ergänzende persönliche Eindrücke aus meiner praktischen Erfahrung erlaubt.

 

Es ist meine Überzeugung, dass Kreativität nicht nur ein Ventil, sondern auch ein Bedürfnis eines jeden Menschen ist, um seinem Inneren Ausdruck zu verleihen. Kreativität wie ich sie begreife erhebt nicht den Anspruch, "logisch", "sinnvoll" oder "effizient" zu sein, sondern nimmt um ihrer selbst willen und aus Spiel- und Lebensfreude Form an. Es geht nicht darum, dass Menschen malen, töpfern oder singen sollen. Es geht darum, Raum zu geben für das, was in Menschen schlummert und darauf wartet, Gestalt anzunehmen.

 

Im Rahmen meiner Auftragsproduktikonen und Lehrtätigkeiten habe ich in den letzten Jahren mit Institutionen und Unternehmen zusammengearbeitet, deren Mitarbeiter ins Boot zu holen Voraussetzung dafür war, dass am Ende des jeweiligen Projektes ein Ergebnis stand, mit dem sich alle - Entscheider wie Mitarbeiter - identifizieren konnten. Das bedeutet, dass ich auf die Ideen und Wünsche aller Beteiligten einging und einen Prozess zuließ und steuerte, bei dem das gemeinsame Schöpfen im Vordergrund stand. Intervention im Sinne von "Einmischung" kann als störend empfunden werden und daher kontraproduktiv sein. Es geht bei künstlerischer Intervention meiner Erfahrung nach also nicht darum, als Künstler beispielsweise in einen Betrieb zu marschieren und etwas von den Mitarbeitern einzufordern oder ihnen etwas aufzuerlegen, sondern wahrzunehmen, mit welchen (ungenutzten) Potenzialen man es zu tun hat, um daraus begleitend mit der eigenen kreativen Expertise ein schöpferisches Projekt zu entwickeln, das sich schlussendlich belebend und inspirierend auf das Unternehmen auswirken wird. Das erreicht man schlicht gesagt, indem man mittendrin ist, gut zuhört und sich mit den eigenen Talenten zur Verfügung stellt.

Backstage-Schnappschuss mit Mitarbeitern eines Unternehmens nach einem erfolgreichen Auftritt
Backstage-Schnappschuss mit Mitarbeitern eines Unternehmens nach einem erfolgreichen Auftritt

In der Art und Weise, wie ich als Künstlerin ticke, geschieht alls dies mit dem Ansinnen, den Menschen und seine Fähigkeiten (und Bedürfnisse) in den Mittelpunkt zu rücken. In einer Zeit, in der Beschleunigung, Technologie und Wandel das Arbeitsklima prägen, wird häufig verkannt, dass sich eines nicht ändert: Wir sind Menschen. Wir arbeiten gerne, wenn wir einen Sinn in unserer Arbeit erkennen - für uns und das Gemeinwohl. Wir haben die besten und innovativsten Ideen, wenn es uns gut geht und wir Spaß haben; wenn aus der Fülle von Pflichten Erfüllung wird.

 

Ja, am Ende soll ein zufriedenstellendes, nachhaltiges Ergebnis stehen. Und doch wird dies vornehmlich aus Freude an dem Prozesshaften und nicht aus Kalkül und dem Anspruch der Optimierung angestrebt.

 

Daraus ergibt sich, dass der Erfolg einer künstlerischen Intervention auf kurze Sicht nicht auf dieselbe Weise bezifferbar ist wie andere gemeinhin bekannte Methoden. Entscheider mit Weitblick werden jedoch erkennen, welchen Mehrwert ein Ansatz in sich birgt, der dem Menschen und somit der "Seele des Unternehmens" gerecht wird; der befähigt, ja sogar beflügelt. Große Worte, stimmt. Aber es geht eben auch um große Themen.

 

Meine bisherigen Erfahrungen in diesem Bereich umfassen Impuls-Vorträge, Workshops, Tagungen und mehrmonatige Prozessbegleitung.

 

Die künstlerische Intervention


Künstlerische Interventionen schaffen Raum für den Dialog von Kunst und Wirtschaft. Sie gestalten einen Prozess, in dem sich unterschiedliche Denk- und Handlungsweisen im Austausch begegnen und der neue Perspektiven eröffnet und so Innovation ermöglicht.

Je nach Bedarf werden in einer künstlerischen Intervention ein oder mehrere Künstler für ein Projekt von unterschiedlicher Art und Dauer in einer Organisation tätig. Ansatz ist immer Ausgangslage und Fragestellung aus der Sicht des Unternehmens, womit die Intervention einer Unternehmensberatung mit interaktiven Elementen gleicht, die im Sinne der Zielsetzung Management, Mitarbeiter, Stakeholder bzw. Öffentlichkeit einbezieht.

In einem gemeinsamen kreativen Dialog mit Künstler(n), Unternehmen und dem Labor für Kunst und Wirtschaft werden konkrete Lösungen und Ideen für Produkte und Services, Prozesse und Strukturen erarbeitet und umgesetzt – überraschend und überzeugend, innovativ und mit nachhaltiger Wirkung.

Der zunehmende Veränderungsdruck in der heutigen Wirtschaft erfordert neue Konzepte und Strategien, um überlebensfähig zu bleiben. In Folge dessen lässt sich in der gegenwärtigen Unternehmenspraxis auch eine erhöhte Bereitschaft feststellen, experimentelle kreative Methoden zur Innovationsförderung einzusetzen. Künstlerische Interventionen bieten dabei ein zukunftsweisendes Instrumentarium, welches - bei bis dato geringer Verbreitung - seit Mitte des letzten Jahrhunderts eine deutliche Professionalisierung erfahren hat.

Die Verbreitung des Ansatzes in Europa und Erkenntnisse aus verschiedenen Projekten und Forschungsvorhaben bestätigen diese These und zeigen eine erhöhte Nachfrage auf, die das Labor für Kunst und Wirtschaft bedienen will.

 

Quelle: LKW - Labor für Kunst und Wirtschaft

 

Innovation durch künstlerische Intervention


Eine künstlerische Intervention fördert den Wandel, um überraschende Lösungen zu entdecken. Dabei ist eine künstlerische Intervention als erfrischender Impuls zu verstehen und zu erfahren – unkonventionell, kreativ und bewegend.
Ziel der Intervention ist, das System so zu „stören“ und zu „irritieren“, dass eine (Selbst-)Veränderung möglich und stimuliert wird, die zu Verbesserungen führt.
 
Dabei ist zu berücksichtigen, dass sich in einer künstlerischen Intervention wie in jedem Change-Prozess verschiedene Phasen vollziehen, die trotz einer grundsätzlichen Bereitschaft aller Beteiligter, in der Regel auch zunächst Widerstände seitens der Mitarbeiter hervorrufen.
Im Unterschied zu klassischen Beratungsansätzen jedoch bietet eine künstlerische Intervention andere Ebenen zur Be- und Aushandlung von Themen und damit einen alternativen Umgang mit Widerständen an. Wiederum vergleichbar mit anderen Veränderungsprozessen ist die relative Unvorhersehbarkeit der Ergebnisse, da soziale Systeme hochkomplex sind und nicht durch Input auf Output schließen lassen.
 
Das Bewusstsein über diese Tatsachen ist entscheidend, denn es trägt dazu bei, dass zu klare Zielvorstellungen positive Überraschungen ausschließen und damit die Intervention schon im Vorfeld zum Scheitern verurteilen.
Wer sich in diesem Sinne jedoch auf das Experiment voll einlässt und konsequent mitgeht, Konflikte produktiv auflöst, sich engagiert und investiert, der kann mit künstlerischen Interventionen zu Veränderung, Innovation und Zukunftsfähigkeit beitragen.

 

Quelle: LKW - Labor für Kunst und Wirtschaft